Gametipp: Oxenfree

Gametipp: Oxenfree

Ein Spiel wie Oxen­free wäre vor 10 Jah­ren ver­mut­lich nicht mög­lich gewe­sen. In einer Welt, die von immer rea­lis­ti­sche­rer Gra­fik und neu­es­ter Tech­nik beses­sen war, gab es wenig Platz für klei­ne, inno­va­ti­ve Spie­le, die auch mal Risi­ken ein­gin­gen. Glück­li­cher­wei­se haben wir heu­te aber eine immens erfolg­rei­che Indie-Sze­ne, in der spie­le­ri­sche Inno­va­ti­on vor tech­ni­scher Fines­se steht, aber trotz oder gera­de dank man­geln­dem Rea­lis­mus in der Gra­fik oft ein beson­ders groß­ar­ti­ger Stil erreicht wird. Ober­fläch­lich betrach­tet ist Oxen­free zwar ein Adven­ture mit eher schwa­chen Rät­seln und rela­tiv kur­zer Spiel­dau­er, taucht man aber in das Spiel ein, fin­det man doch so viel mehr.

Klar, kom­ple­xe Kom­bi­na­ti­ons­rät­sel fin­det man in Oxen­free kaum. Aber dar­um geht es in die­sem Spiel auch gar nicht. Viel­mehr steht die Inter­ak­ti­on zwi­schen den fünf, oder an sich sogar sechs Haupt­fi­gu­ren im Vor­der­grund und ist ent­schei­dend dafür, wel­ches der unter­schied­li­chen Enden man zu sehen bekommt. Die Sto­ry dreht sich um fünf Jugend­li­che, die per Fäh­re nach Edwards Island fah­ren, um dort eine Strand­par­ty zu fei­ern. Dort ange­kom­men ent­fes­seln sie aber durch eine per Radio aus­ge­lös­te Ano­ma­lie eine Grup­pe Geis­ter, die in den Jugend­li­chen ihren Weg zurück ins Leben sehen.

Der Spie­ler über­nimmt die Rol­le von Alex, die erst vor kur­zem ihren Bru­der ver­lo­ren hat und in Fol­ge die Schei­dung ihrer Eltern erle­ben muss­te. Über wäh­rend der akti­ven Erkun­dung der Insel statt­fin­den­de und sym­pa­thisch ver­ton­te Gesprä­che zwi­schen den Cha­rak­te­ren wird die zwi­schen­mensch­li­che Sei­te in den Vor­der­grund gestellt, in die Alex über ein­ge­blen­de­te Sprech­bla­sen ein­grei­fen kann. Die sich nach und nach ent­wi­ckeln­de Mys­te­ry-Hor­ror-Sto­ry dient dabei als span­nen­der Rah­men, der ange­nehm auf Jump Sca­res und Bru­ta­li­tät ver­zich­tet, dafür aber den einen oder ande­ren Twist in Pet­to hat. Für Atmo­sphä­re sorgt dabei natür­lich auch der auf den Punkt sit­zen­de gra­fi­sche Stil und tol­le Sond­track.

Nach gut 3–4 Stun­den dürf­te man das ers­te Mal beim Abspann ange­kom­men sein. Das ist jetzt nicht viel, Oxen­free hat aber nicht nur durch sei­ne ver­schie­de­nen Enden und die mög­li­chen Ent­schei­dun­gen der Haupt­fi­gur aus­rei­chend Wie­der­spiel­wert. Die Insel bie­tet neben Abklap­pern der grad für die Sto­ry wich­ti­gen Orte auch noch eini­ge Geheim­nis­se und viel Hin­ter­grund­sto­ry zu bie­ten, die man gern mit­nimmt.

Ein wenig zu meckern gibt es aller­dings auch, wenn­gleich wir uns da schon auf sehr hohem Niveau bewe­gen. Wäh­rend die durch­weg guten Spre­cher den Figu­ren zwar wun­der­bar Leben und Eigen­stän­dig­keit ein­hau­chen und an sich auch eine der beson­de­ren Stär­ken des Spiels sind, haben sie aber auch eine Schwä­che, denn nur sel­ten merkt man den Figu­ren an, dass sie grad von uner­klär­li­chen Ereig­nis­sen und Geis­tern heim­ge­sucht wer­den und eigent­lich um ihr Leben ban­gen müss­ten. Da hät­te an eini­gen Stel­len doch etwas mehr Angst durch­schei­nen kön­nen. So man­gelt es der ansons­ten wei­ter­hin groß­ar­ti­gen Atmo­sphä­re doch ein wenig an Bedroh­lich­keit.

Noch ein wenig an der Atmo­sphä­re und viel­mehr der Geduld nagt dabei die Tat­sa­che, dass es kein Sys­tem gibt, mit dem sich die Lauf­we­ge ver­kür­zen las­sen. Bei­spiels­wei­se muss man meh­re­re Male zu einem Funk­turm und dabei den gan­zen Weg zum Turm und dort die Lei­tern und Trep­pen hin­auf selbst zurück­le­gen. Gera­de wenn man das Game mehr­fach durch­spie­len will, kann das schon ner­vig wer­den und nimmt ein wenig die Dra­ma­tik aus der Sto­ry.

Wirk­lich stark dran gestört habe ich mich aller­dings nicht und wer­de mich sicher spä­ter noch gern an die tol­len Momen­te des Spiels erin­nern. Ich kann euch Oxen­free ins­ge­samt sehr ans Herz legen, beson­ders wenn ihr wie ich weni­ger auf Geschick und Kön­nen son­dern Atmo­sphä­re und Sto­ry set­zen­de Games bevor­zugt. Erhält­lich ist das Spiel für XBox 360, PS4 und PC, wo es pas­sen­der­wei­se via Steam gera­de noch bis mor­gen abend (24.01.2017) zum Son­der­preis von 4,99 € (von nor­ma­ler­wei­se 19,99) zu haben ist. Zum Abschluss habe ich noch einen Trai­ler für euch, der euch den Stil des Spiels sicher schmack­haft machen wird!

OXENFREE: LAUNCH TRAILER

Die­ses Video anse­hen auf You­Tube.
geschrieben von Alex
Netzbürger mit mindestens einem Ohr in der Musik, einem Auge im Film und einer Hand an der Maus. Familie, Arbeit und Bloggen herumjonglierend und Spaß dabei!