Origins: Gloria Jones – Tainted Love

Auch wenn mein ers­ter Bei­trag in der Origins-Rei­he hier auf dem KNARZ­werk nicht mit Kom­men­ta­ren bedacht wur­de, kam er den­noch zumin­dest so gut an, dass ich direkt von einem Arbeits­kol­le­gen einen Vor­schlag für die nächs­te Aus­ga­be bekam. Alte Hasen, die bei mir schon damals auf dem free­Q­net mit­ge­le­sen haben, wer­den sich viel­leicht erin­nern, dass ich in einer Spe­zi­al­aus­ga­be des alten Origins-For­mats schon mal »Tain­ted Love« im Pro­gramm hat­te. Aber die damals kur­ze Abhand­lung wird dem Song nicht gerecht, wes­halb er hier mal eine genaue­re Beleuch­tung bekommt! Hier also erst mal das Ori­gi­nal von 1964 und nach dem Klick ein wenig Geschich­te gefolgt von den ungleich bekann­te­ren Covern und eini­gen obsku­re­ren Ver­ar­bei­tun­gen des Mate­ri­als!

GLORIA JONES- »TAINTED LOVE« (1964)

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Song­wri­ter Edd Cobb schrieb »Tain­ted Love« und bot ihn ursprüng­lich den von ihm pro­du­zier­ten Stan­dells an, die aber ablehn­ten. Glo­ria Jones nahm dann 1964 den Song als B-Sei­te der Sin­gle »My Bad Boy’s Comin‹ Home« auf. Bei­de Songs flopp­ten und ver­schwan­den erst mal in der Ver­sen­kung, bis gera­de die B-Sei­te in den frü­hen 70ern vom bri­ti­schen DJ Richard Sear­ling wie­der­ent­deckt und in der gera­de ange­sag­ten Nort­hern Soul Sze­ne im UK zum ver­spä­te­ten Insi­der-Hit gemacht wur­de. Glo­ria Jones, die mitt­ler­wei­le mit T-Rex-Front­mann Marc Bolan zusam­men war und spä­ter für des­sen Tod ver­ant­wort­lich sein soll­te, nahm daher 1976 eine von ihm pro­du­zier­te Neu­fas­sung auf, die aller­dings erneut flopp­te.

1976er Version von Gloria Jones

Glo­ria Jones: Tain­ted Love (1976 Record­ing)

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Gegen Ende der 70er grün­de­te sich der­weil das Syn­th­pop-Duo Soft Cell bestehend aus Marc Almond und David Ball. Nach­dem sie mit selbst pro­du­zier­ten EPs einen Deal mit Pho­no­gram Records lan­de­ten, flopp­ten ihre ers­ten bei­den über das Label ver­öf­fent­lich­ten Sin­gles. Pho­no­gram gab der Band eine letz­te Chan­ce, einen Charts-Erfolg zu erzie­len. Marc Almond, der »Tain­ted Love« durch sei­ne klei­ne Club-Popu­la­ri­täts­wel­le ent­deckt hat­te, schick­te sei­ne eige­ne, sti­lis­tisch völ­lig ande­re Fas­sung ins Ren­nen. Die­se schaff­te es end­lich, den Nerv der Zeit zu tref­fen und mach­te Song und Band bis heu­te zu Klas­si­kern, wäh­rend das Ori­gi­nal heu­te nur noch weni­ge ken­nen und die Ver­si­on von Soft Cell kaum wirk­lich als Cover wahr­ge­nom­men wird.

Soft Cell

Soft Cell – Tain­ted Love

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Fragt man die heu­ti­ge Jugend nach dem Song, kann es aller­dings gut sein, dass nicht mal mehr Soft Cell genannt wird, denn 2001 ver­öf­fent­lich­te Mari­lyn Man­son sein eige­nes, dies­mal stark auf der Soft-Cell-Ver­si­on basie­ren­des Cover des Songs im Rah­men des Sound­tracks für den unsäg­li­chen Film »Not Ano­t­her Teen Movie« und lan­de­te damit einen ähn­lich gro­ßen Charts-Erfolg.

Marilyn Manson

Mari­lyn Man­son – Tain­ted Love [HD]

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Mitt­ler­wei­le sind natür­lich noch unzäh­li­ge wei­te­re Fas­sun­gen des Songs erschie­nen und der mar­kan­te Bass­lauf fin­det sich in vie­len teils sehr erfolg­rei­chen Songs wie­der. Eini­ge High- und even­tu­ell Low­lights habe ich euch hier noch zusam­men­ge­stellt!

Fine Young Cannibals – Good Thing

Good Thing – Fine Young Can­ni­bals

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»Good Thing« war 1988 auch ein ziem­lich gro­ßer Hit, der viel sei­ner Popu­la­ri­tät dem Tain­ted-Love-Ori­gi­nal von Glo­ria Jones zu ver­dan­ken hat, aus dem sie die durch den gan­zen Song füh­ren­de mar­kan­te Akkord­fol­ge nach­spiel­ten. Sel­bi­ges taten spä­ter neben Pink und Flo Rida auch noch diver­se ande­re, wes­halb ich es erst mal dabei belas­se. Inter­es­san­ter­wei­se gab es aber bis auf einen nicht erwäh­nens­wer­ten Hip-Hop-Song kei­ne wei­te­ren mir bekann­ten Stü­cke, die das Ori­gi­nal wirk­lich sam­ple­ten, obwohl gera­de Soul aus den 60ern doch das per­fek­te Fut­ter dar­stel­len. Ganz im Gegen­satz fin­det man aber eini­ge Songs, die sich wie­der­um bei Soft Cell bedien­ten.

Rihanna – SOS

Rihan­na – SOS

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Teils ges­am­plet, teils nach­ge­spielt fin­det sich Soft Cell ziem­lich platt in die­sem Song wie­der, ver­schafft der Sän­ge­rin aber 2006 ihren ers­ten Num­mer-Eins-Hit als Solo-Künst­le­rin in den USA.

Die Fantastischen Vier – Mikrofonprofessor

Die Fan­tas­ti­schen Vier – Mikro­fon­pro­fes­sor (Ori­gi­nal HQ)

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Eine für mei­ne Ohren viel net­te­re Ver­wurs­tung hat­ten die 1991 vor »Die Da« noch ziem­lich unbe­kann­ten Fan­ta Vier mit ihrer damals ers­ten Sin­gle zu bie­ten, in der sie das Stück gleich mal mit Boo­ker T.›s »Green Oni­ons« ver­lö­te­ten und auch die deut­sche Syn­chro vom Krieg der Ster­ne einen Auf­tritt hat. Eini­ge wei­te­re Sam­ple- und Nach­spiel-Fas­sun­gen gibt es übri­gens bei Who­Sam­pled zu bestau­nen. Wid­men wir uns zum Abschluss lie­ber noch drei guten Covern!

My Brightest Diamond

My Brigh­test Dia­mond – Tain­ted Love

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My Brigh­test Dia­mond haben sich schon an so eini­gen Cover­ver­sio­nen ver­sucht, schaf­fen es aber jedes Mal, den Stü­cken gebüh­ren­den Tri­but zu zol­len und trotz­dem ihr eige­nes Ding draus zu machen. In die­ser Ver­si­on schei­nen sogar Ele­men­te sowohl des Ori­gi­nals als auch der Soft-Cell-Vari­an­te durch.

The Lost Fingers

The Lost Fin­gers Tain­ted Love

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Die Lost Fin­gers spie­len zum größ­ten Teil Cover­songs und hie­fen die­se damit zurück in Swing- und Gyp­sy-Jazz-Zei­ten (unbe­dingt auch mal ihre Ver­si­on von »Pump Up The Jam« anhö­ren!). So hät­te das Stück sicher auch schon in den 30ern funk­tio­niert!

The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra

The Sen­sa­tio­nal Sky­drunk Heart­beat Orches­tra – Tain­ted Love

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Die Ver­si­on der deut­schen Ska-Band The Sen­sa­tio­nal Sky­drunk Heart­beat Orches­tra schlägt zu Beginn in eine ganz ähn­li­che Ker­be, geht über den Pol­ka-Umweg aber doch mehr in Rich­tung Ska mit Dub­step-Ele­men­ten.

geschrieben von Alex
Netzbürger mit mindestens einem Ohr in der Musik, einem Auge im Film und einer Hand an der Maus. Familie, Arbeit und Bloggen herumjonglierend und Spaß dabei!