Rick Remender/Sean Murphy – Tokyo Ghost

Rick Remender/Sean Murphy - Tokyo Ghost

Every cent you earn is torn from the flesh of the earth.

Im Jahr 2089 ist pau­sen­lo­ser Medi­en­kon­sum für den Groß­teil der Mensch­heit der ein­zi­ge Lebens­in­halt. Kri­mi­nel­le Kon­zer­ne kon­trol­lie­ren die Welt. Led Dent und Debbie Decay sind Cons­ta­bles, eine von den Kon­zer­nen ein­ge­setz­te Ein­heit, um mit Gewalt deren Idee von Ord­nung durch­zu­set­zen. Ihr Job führt sie nach Tokyo, dem ein­zi­gen ver­blie­be­nen Ort der Welt, der dank EMP ohne Tech­no­lo­gie aus­kommt, und die bei­den sehen ihre Chan­ce, ein neu­es Leben zu begin­nen. Doch Leds Ver­gan­gen­heit holt sie ein.

Rick Remen­der ist ein Wor­k­a­ho­lic, wie er im Buche steht. Unzäh­li­ge Seri­en jon­gliert er gleich­zei­tig, schafft es aber den­noch, jeder genug Auf­merk­sam­keit zu schen­ken, um sie zu etwas Beson­de­rem zu machen. Zusam­men mit Zeich­ner Sean Mur­phy erschuf er für »Tokyo Ghost« eine als wahn­wit­zi­ge Sci-Fi-Action ver­klei­de­te Love Sto­ry. Dabei scheu­ten die bei­den nicht davor zurück, sich kräf­tig bei Kol­le­gen des Gen­res zu bedie­nen, ver­ste­cken die Inspi­ra­ti­on aus Judge Dredd, Aki­ra und Kon­sor­ten aber auch zu kei­nem Moment, son­dern remi­xen sie zu ihrer eige­nen sati­ri­schen Welt.

Unter den Fit­ti­chen von Image Comics brau­chen die bei­den sich auch nicht gera­de mit Gewalt, Sex und Per­ver­si­tä­ten zurück­zu­hal­ten. Im Kon­text der hier erdach­ten extrem über­zeich­ne­ten Dys­to­pie fal­len die Ele­men­te kei­nes Wegs aus dem Rah­men oder scho­cken groß­ar­tig. Wirk­lich im Gedächt­nis blei­ben aber sowie­so vor allem die schwarz­hu­mo­ri­gen Pas­sa­gen, in denen z.B. der gro­ße Wider­sa­cher unse­rer Tur­tel­tau­ben in einer vir­tu­el­len Rea­li­tät mit Hit­ler, Mao, Dschin­gis Khan und Osa­ma Bin Laden einen Mario-Kart-Pin­ball-Mix bestrei­tet, sei­ne Plä­ne bespricht und auf Hit­lers Beden­ken, dass sie doch etwas zu extrem sei­en mit »Check Your Pri­vi­le­ge, Hit­ler! I’m a nut job, not an ass­ho­le.« ant­wor­tet.

Ein wah­res Fest wird die zehn­tei­li­ge Rei­he aber vor allem durch die von Sean Mur­phy gezeich­ne­ten und von Matt Hol­lings­worth kolo­rier­ten Panels, die das Gesche­hen in genia­len Bil­dern ein­fan­gen und dabei noch ton­nen­wei­se Details im Hin­ter­grund ver­tei­len, die erst mal alle gesich­tet wer­den wol­len. »Tokyo Ghost« strotzt nur so vor ein­rah­mens­wür­di­gen Art­works. Soll­te man in Hol­ly­wood jemals auf die Idee kom­men, den Comic zu ver­fil­men, gehört schon eini­ges an Talent und Spe­cial Effec­ts dazu, der Vor­la­ge annä­hernd gerecht zu wer­den.

Unschwer zu erken­nen ist sicher­lich, dass ich euch den Comic wärms­tens emp­feh­len kann! Zu haben ist die Rei­he mitt­ler­wei­le als zwei­tei­li­ger Tra­de Paper­back und eine Delu­xe-Aus­ga­be, die alle Tei­le zusam­men­fasst, ist für den Som­mer geplant. Von einer deut­schen Über­set­zung fehlt zwar noch jede Spur, aber ich rate eh wie immer zum Ori­gi­nal!

geschrieben von Alex
Netzbürger mit mindestens einem Ohr in der Musik, einem Auge im Film und einer Hand an der Maus. Familie, Arbeit und Bloggen herumjonglierend und Spaß dabei!