Origins: James Brown – Funky Drummer

Ich hat­te ja an sich schon lang vor, einen Origins-Bei­trag zum Fun­ky Drum­mer zu machen, nach­dem ich vor Ewig­kei­ten auf dem free­Q­net schon mal den Amen Break zum The­ma hat­te. Nun gibt es aber sogar einen trau­ri­gen aktu­el­len Anlass dazu. Am Sams­tag ver­starb lei­der Cly­de Stubble­field, sei­nes Zei­chens Drum­mer von James Brown wäh­rend der legen­dä­rem Auf­nah­me zum Fun­ky Drum­mer und eine Wei­le zuvor schon Cold Sweat, das ein fast eben­so bekann­tes Sam­ple her­vor­brach­te. Er wur­de 73 Jah­re alt. Drum habe ich nach dem Klick wie­der ein paar Infos und Songs zusam­men­ge­tra­gen, in denen der bekann­te Loop Ver­wen­dung fin­det.

James Brown – Fun­ky Drum­mer (Full Ver­si­on, 1970) – HQ

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Ende der 60er hat­te James Brown mit sei­nen JBs neben wirk­lich aus­for­mu­lier­ten Songs auch diver­se Impro­vi­sa­tio­nen am Start, die erst nach und nach einen gewis­sen Song-Cha­rak­ter ent­wi­ckel­ten. Der neun­mi­nü­ti­ge Fun­ky Drum­mer ist so ein Stück, das musi­ka­lisch vor allem von einer wie­der­hol­ten und drü­ber impro­vi­sier­ten Hook und text­lich von Anfeue­run­gen der Band­mit­glie­der lebt. Etwa zur Halb­zeit berei­tet Brown sei­ne Band drauf vor, aus­zu­set­zen und den Drum­mer allein spie­len zu las­sen. Die­ser wird ange­wie­sen, kein Solo zu spie­len son­dern sei­nen Flow bei­zu­be­hal­ten. Cly­de Stubble­field spiel­te dann in der 326. Sekun­de den wohl meist ges­am­ple­ten Drum­loop aller Zei­ten. Als die Band wie­der ein­setzt, hat James Brown sich so in den Beat ver­liebt, dass er spon­tan noch im Song ankün­digt, ihn den Fun­ky Drum­mer nen­nen zu wol­len, einen Nick­na­me, den auch Cly­de Stubble­field lan­ge trug.

1970 wur­de der Song in gekürz­ter und zwei­te­teil­ter Fas­sung zwar als Sin­gle ver­öf­fent­licht, hat­te aber nicht den größ­ten Erfolg. Erst 1986 tauch­te das Stück in sei­ner vol­len Pracht auf dem Com­pi­la­ti­on-Album »In The Jung­le Groo­ve« auf und wur­de inter­es­san­ter­wei­se sogar mit einer zusätz­li­chen »Bonus Beat Repri­se« bedacht, die an sich nichts wei­ter ist als der bekann­te Break ca. drei Minu­ten lang geloopt. Beson­ders die­ses Album und viel­leicht auch die­se spe­zi­el­le Ver­si­on sorg­ten dann für die bis zur Kari­ka­tur getrie­be­ne Sam­pe­lei der fol­gen­den Jah­re bis man den Beat ein­fach nicht mehr hören konn­te.

MC Quick Quintin & M.C. Mello J. – The Classy M.C.›s

MC Quick Quin­tin & M.C. Mel­lo J. – The Clas­sy M.C.›s

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MC Quick Quin­tin war so ziem­lich der ers­te, der sich beim Fun­ky Drum­mer als Sam­ple-Quel­le bedien­te, aller­dings hat­te er es nicht mal auf die Drums abge­se­hen. Viel mehr sind durch den gan­zen Song ver­teilt ver­schie­de­ne Vocal-Sam­ples aus dem Track ver­teilt.

Kool G Rap & DJ Polo – It’s A Demo

Kool G Rap – It’s A Demo (Ori­gi­nal 12″ Ver­si­on)

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Ob Kool G Rap nun wirk­lich der aller ers­te war, der sich den Drum­loop zu eigen mach­te und damit den Grund­stein für den ver­mut­lich meist ges­am­ple­ten Beat gelegt hat, kann ich nicht genau sagen. Mit­te der 80er kam das Sam­pling im Hip Hop so in Mode, dass es kaum jeman­den gab, der es nicht mach­te.

Public Enemy – Fight The Power

Public Ene­my – Fight the Power (Sound­track Ver­si­on)

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Ein wei­te­res sehr bekann­tes frü­hes Bei­spiel der über­bor­den­den Ver­wen­dung des Beats. Public Ene­my kamen noch eini­ge ande­re Male zu dem Loop zurück.

Beastie Boys – Shadrach

»Shadrach« -Beas­tie Boys

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Auch die Beas­tie Boys hat­ten mehr­fach den Fun­ky Drum­mer im Reper­toire. Shadrach ist ver­mut­lich die ers­te Ver­wen­dung davon.

Caustic Window – Popcorn

Aphex Twin – Pop­corn

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Caustic Win­dow kennt man bes­ser unter dem Namen Aphex Twin und Pop­corn kennt man eher im Ori­gi­nal von Hot But­ter. Die­se sku­ril­le Ver­si­on von Richard D. James mixt aber eine Pri­se Fun­ky Drum­mer und mas­sen­haft Cree­py­ness dazu.

Coldcut – Say Kids What Time Is It?

Cold­cut – Say Kids What Time Is It? (by Nin­ja Tune)

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Als Groß­meis­ter der Sam­ple-Patch­work-Tep­pi­che haben natür­lich auch Cold­cut den Fun­ky Drum­mer ver­wen­det. U.a. taucht er im iko­ni­schen »Say Kids What Time Is It?« auf – an Sekun­de 158, um genau zu sein.

Alanis Morissette – Head Over Feet

Ala­nis Moris­set­te – Head Over Feet (OFFICIAL VIDEO)

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Natür­lich fand der Loop sich auch in Pop und Rock wie­der. Ala­nis Morissette’s Ver­wen­dung ist dabei eine der weni­gen aus dem Bereich, die man sich heu­te noch frei­wil­lig anhö­ren kann.

Amon Tobin – Nightlife

Amon Tobin – Night­li­fe

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Mit­te der 90er war der Hype um den Fun­ky Drum­mer zwar lang­sam abge­flacht, dann kam er aber doch wie­der im auf­kei­men­den Drum & Bass zu erneu­ter Dau­er­ro­ta­ti­on. Amon Tobin’s »Night­li­fe« ist jetzt kein typi­scher Gen­re-Vetrte­ter, aber dafür ein umso bes­se­res Bei­spiel für tol­le Ver­schwur­be­lung des Loops.

Machinedrum – Come1

Machine­drum – Come1

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Kom­men wir nun noch zu einer recht neu­en Ver­wen­dung. Machine­drum ver­wen­de­te der Loop in sei­nem Retro-ein­ge­färb­ten »Come1«, das immer­hin schon in die­sem Jahr­zehnt ver­öf­fent­licht wur­de.

Clyde Stubblefield Kurzinterview und Tutorial

Cly­de Stubble­field: Cold Sweat – Fun­ky Drum­mer (James Brown)

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Zu guter Letzt noch ein kur­zes Inter­view und Tipps von Cly­de Stubble­field selbst zu Cold Sweat und natür­lich dem Fun­ky Drum­mer. Bei You­tube gibt es natür­lich auch noch mas­sen­haft rich­ti­ge Tuto­ri­als, um den Beat mög­lichst ori­gi­nal­ge­treu nach­spie­len zu ler­nen. Hier­mit will ich den Bei­trag aber erst mal beschlie­ßen. Cly­de, ruhe in Frie­den!

geschrieben von Alex
Netzbürger mit mindestens einem Ohr in der Musik, einem Auge im Film und einer Hand an der Maus. Familie, Arbeit und Bloggen herumjonglierend und Spaß dabei!