Gedanken eines »linksversifften Spinners«

Gedanken eines "linksversifften Spinners"
[FreeImages.com/Zettmedia]

Vor zwei, drei Jah­ren hät­te ich nicht erwar­tet, in Zukunft mal ein Poli­tik-Inter­es­se zu ent­wi­ckeln, das über ober­fläch­li­ches Abklop­fen, mit wel­cher Par­tei man denn grob am bes­ten klar kommt, hin­aus­geht. Nun, vor zwei, drei Jah­ren war auch noch nicht abzu­se­hen, dass eine ach so demo­kra­ti­sche Par­tei weit rechts der CDU und zumin­dest an der Ober­flä­che nur knapp links neben der NPD zwei­stel­li­ge Wahl­er­geb­nis­se ein­fährt und rei­hen­wei­se in die Land­ta­ge ein­zieht. Dass so etwas in Deutsch­land trotz sei­ner Geschich­te noch mög­lich ist, hat­te ich nicht erwar­tet. Nach und nach begann ich, mich gegen die AfD aus­zu­spre­chen, was erst mal nicht viel mehr als Fol­gen ver­schie­de­ner Face­book-Sei­ten von AfD-Geg­nern, lesen und Tei­len von Bei­trä­gen bedeu­te­te. Man hat­te hier oben im Nor­den ja zum Glück auch noch recht wenig Berüh­rungs­punk­te mit der Trup­pe. Ver­gan­ge­ne Woche änder­te sich das aber schlag­ar­tig, als die Par­tei nach einer kurz­fris­ti­gen Absa­ge vom Kie­ler Schloss aus­ge­rech­net in ein 45 km von Kiel ent­fern­tes klei­nes Dorf aus­wich, denn in genau die­sem Dorf bin ich auf­ge­wach­sen und habe natür­lich noch Fami­lie und Freun­de dort.

Es ist unklar, was die AfD dazu bewo­gen hat, sich so weit von der Lan­des­haupt­stadt zu ent­fer­nen, aber sie fand in einem Aukru­ger Gast­hof, der von vie­len Ein­hei­mi­schen wegen etwas selt­sa­mer Ansich­ten des Wir­tes bereits oft gemie­den wur­de, zwei Tage vor dem Ter­min ihren neu­en Aus­tra­gungs­ort. Den Wirt erreich­ten wohl schnell Droh­an­ru­fe von eini­gen Voll­pfos­ten, die ihm Molo­tov-Cock­tails ins Haus schmei­ßen woll­ten. Er nahm mit etwas selt­sa­mer Wort­wahl auf sei­ner Face­book-Sei­te Stel­lung wor­auf sich vie­le Aukru­ger und ande­re ihren Unmut über die AfD äußer­ten – eini­ge lei­der auch ziem­lich belei­di­gend. Es kamen schnell ca. 300 Ant­wor­ten zusam­men – weit mehr als die gewohn­ten 0–2 pro Bei­trag.

Schnell bekam dann auch die Pres­se Wind davon, schrieb über Dro­hun­gen wegen der geplan­ten AfD-Ver­an­stal­tung und ver­link­ten eben­falls den Face­book-Bei­trag. Inner­halb kür­zes­ter Zeit wuchs die Zahl der Kom­men­ta­re auf 2000 an, die nun vor allem aus der rech­ten und sehr rech­ten Ecke kamen, natür­lich den Wirt ver­tei­dig­ten und vie­ler­seits die besorg­ten Kom­men­ta­to­ren belei­dig­ten.

Ich war mitt­ler­wei­le auch mit­ten drin, denn ich hat­te die blau­äu­gi­ge Hoff­nung, dass man den Wirt viel­leicht doch noch umstim­men kann, wenn er sieht, was er sei­nem Dorf da ange­lockt hat. Er ließ sich aber von den rech­ten Unter­stüt­zern bestärkt nicht umstim­men und die Ver­an­stal­tung fand statt. Wäh­rend­des­sen war eine ca. 400 Mann star­ke Demo orga­ni­siert wor­den, die am Frei­tag Abend fried­lich gegen die ca. 200 Teil­neh­mer der Ver­an­stal­tung pro­tes­tier­ten. Bis auf völ­lig deplat­zier­te Graf­fi­ti eines Ein­zel­nen und ein paar Rau­fe­rei­en gab es kei­ne Aus­schrei­tun­gen.

Am Fol­ge­tag freu­te der Wirt sich über eine gelun­ge­ne Ver­an­stal­tung und wet­ter­te über die Demons­tran­ten, was natür­lich erneut zu unzäh­li­gen Kom­men­ta­ren aus bei­den Lagern und mitt­ler­wei­le rei­hen­wei­se Sper­run­gen, lei­der vor allem von der lin­ken Sei­te, führ­te. Nach allem, was ich aus dem Dorf so gehört habe, wage ich mal zu behaup­ten, dass er sich damit abso­lut kei­nen Gefal­len getan hat und aus dem Dorf nicht mehr mit vie­len Gäs­ten rech­nen kann. Dafür haben vie­le Rech­te aus ganz Deutsch­land bekun­det, dass Sie gern dort essen gehen wer­den. Eine bedenk­li­che Ent­wick­lung…

Für mich war die­ses Ereig­nis aller­dings der Grund, aus der pas­si­ven Miss­bil­li­gung die­ser Par­tei zu akti­ve­rer Teil­nah­me am Gesche­hen zu wech­seln. Mit meh­re­ren sach­li­chen, aber natür­lich die AfD und die Ent­schei­dung des Wirts ableh­nen­den Kom­men­ta­ren ern­te­te ich in den letz­ten fünf Tagen mas­sen­haft Gegen­wehr und ich ent­wi­ckel­te einen immer grö­ße­ren Spaß dar­an, die teils ziem­lich belei­di­gen­den rech­ten Popu­lis­ten mit gelas­se­ner, höf­li­cher Art auf­lau­fen zu las­sen. Ich den­ke, das wer­de ich nun öfter machen. Ich kann es nur emp­feh­len! Ein paar unge­ord­ne­te Gedan­ken und Zita­te aus den Dis­kus­sio­nen will ich euch abschlie­ßend noch da las­sen!

  • Nach­dem ich mir unzäh­li­ge rech­te Kom­men­ta­re und ihre Argu­men­te durch­ge­le­sen habe, kom­me ich immer mehr zu dem Schluss, dass sich da eine in tiefs­ten rech­ten Ver­schwö­rungs­theo­ri­en ver­sack­te Grup­pe gebil­det hat. Vie­le haben aus ihren »alter­na­ti­ven« Medi­en ein der­art ver­dreh­tes Welt­bild, in dem alle, die nicht rechts sind, zur Anti­fa gehö­ren und die­se natür­lich heu­te die Faschis­ten sind, wäh­rend die AfD die ein­zi­ge Par­tei ist, die Deutsch­land noch vor Hirn­ge­spins­ten wie einer Isla­mi­sie­rung und ach so böser Gen­de­ri­sie­rung ret­ten kann. Beque­m­er­wei­se sind natür­lich alle Medi­en, die etwas dem wider­spre­chen­des berich­ten, ein­fach mal Teil der Lügen­pres­se.
  • Es ist span­nend, mit wel­chen Bezeich­nun­gen die Rech­ten ankom­men, wenn sie kei­ne Argu­men­te mehr haben. Ich wür­de mich zwar selbst auch ein­deu­tig als links-libe­ral ein­ord­nen, wer­de aber natür­lich von vie­len in die von mir eben­so ver­ach­te­te links-extre­me Ecke gescho­ben. Ich war aber rich­tig stolz, als ich das ers­te Mal »links­ver­siff­ter Spin­ner« genannt wur­de und fin­de die Bezeich­nung Anti­fant nied­lich, auch wenn abso­lut nicht auf mich zutrifft.
  • Es ist auf­fäl­lig, wie fast alle Kom­men­ta­to­ren nach maxi­mal zwei Ver­su­chen auf­ge­ben, mich mit ihren meist vom ursprüng­li­chen The­ma abwei­chen­den Behaup­tun­gen zu über­zeu­gen, wenn ich nur gemüt­lich auf höf­li­che Art und Wei­se die Behaup­tun­gen wider­le­ge.

Soll­ten Sie Kin­der und Enkel­kin­der haben wer­den sie sich irgend­wann vor ihnen ver­ant­wor­ten müs­sen.

Das war der welt­frem­de Kom­men­tar einer älte­ren Dame, die gern Bei­trä­ge der Bild­zei­tung teilt, selbst aber eine les­bi­sche Toch­ter hat, der sie unbe­wusst eine Zukunft ohne Gleich­be­rech­ti­gung beschert, wenn die AfD wirk­lich an die Macht kom­men soll­te. Mei­ne Ant­wort, dass ich gera­de wegen der Ver­ant­wor­tung mei­ner behin­der­ten und daher durch die AfD eben­falls dis­kri­mi­nier­ten Toch­ter gegen die AfD bin, konn­te sie dann nicht ver­ste­hen.

Du bist ja so ein ver­kapp­ter anti­fant habe mir jetzt schon meh­re­re Kom­men­ta­re von dir durch­ge­le­sen sowas kann nur von abso­lu­ten Sys­tem knech­ten die sich aus­schließ­lich von der klas­si­schen Bericht­erstat­tung an der Nase her­um­füh­ren las­sen wie ver­blen­det muss man sein um die­sen Scheiß über die AFD zu glau­ben was man uns täg­lich im stadt­fern­se­hen ver­sucht ein zubleu­en die AFD ist die ein­zi­ge Par­tei die zwi­schen die­sen gan­zen schmut­zi­gen Lügen Hau­fen wah­re Wor­te spricht weißt du wann du dei­ne tol­len idea­li­en ver­lie­ren wirst von denen du ein Stück wei­ter oben geschrie­ben hast?

Das war nur der ers­te »Satz« eines län­ge­ren Kom­men­tars, der dann damit gerecht­fer­tigt wur­de, dass er ihn ja per Sprach­er­ken­nung ver­fasst hat. Was das für eine ver­al­te­te Soft­ware war, die nicht mal die Groß- und Klein­schrei­bung hin bekommt, will ich gar nicht wis­sen. Ich habe ihn dann freund­lich drauf hin­ge­wie­sen, dass ich auf den man­gels Satz­zei­chen nur wir­ren Wort­sa­lat nicht näher ein­ge­hen wer­de und er gern doch in ver­ständ­li­chem Text mit mir dis­ku­tie­ren kann. Eine Ant­wort gab es natür­lich nicht.

Ich bin strikt dage­gen, dass Kin­der in Schu­len an Rub­bel­spie­len teil­neh­men sol­len und einen »Puff für alle« bau­en sol­len. Vom gräss­li­chen Gen­de­ris­mus der Spra­che mal abge­se­hen… »Papier­kör­bin« […] Sie sind der Mensch der Links­ex­tre­mis­mus ver­nied­licht. 150 Mio. Tote, Herr Heidn! Voll nied­lich, Herr Heidn. Sol­che selek­ti­ven Ver­nied­li­chun­gen schei­nen Merk­mal von SJW Dep­pen zu sein!

Die­ser Kom­men­ta­tor kam vor­her ziem­lich sach­lich her­über, nach die­sen zwei Sät­zen hat man aber den Ein­druck, dass er völ­lig den Zugang zur Rea­li­tät ver­lo­ren hat. Nach­dem ich ihn drauf hin­wies, kam dann auch nichts mehr. Lei­der bleibt er mir aber auch die Ant­wort schul­dig, woher er sei­ne 150 Mio. Opfer des Links­ex­tre­mis­mus hat.

Inwie­fern ist die AfD »rechts­ex­trem«? Bit­te Bei­spie­le! Außer­dem ist die AfD nicht iden­tisch mit ein­zel­nen Mit­glie­dern. Pädo­phi­le Mit­gli­der macht die SPD auch nicht zu einer Pädo­phi­len­par­tei. Dro­gen­ab­hän­gi­ge Mit­glie­der die Grü­nen nicht zur Jun­kie­par­tei.

Ich glau­be, die­se unsäg­li­chen Ver­glei­che muss ich nicht kom­men­tie­ren, oder?

Lasst gut sein – mit solch einem links­ver­siff­ten Spin­ner wie dem Heidn zu dis­ku­tie­ren bringt gleich Null.
Ihr seht ja, wie die­ser Möch­te­gern sofort die Nazi- und Ras­sis­ten­keu­le schwingt.
Typen wie den soll­te man eigent­lich wegen Belei­di­gung, Ruf­schä­di­gung und Ver­leum­dung anzei­gen.

Die­ser Kom­men­tar stammt von einem Men­schen, der im Gegen­satz zu mir selbst diver­se Hass­ti­ra­den und Belei­di­gun­gen los lässt und zudem auf sei­nem öffent­li­chen Pro­fil zu Selbst­jus­tiz auf­ruft. Von einer Anzei­ge mir gegen­über habe ich aber bis­her nichts mit­be­kom­men – und er war nicht der ein­zi­ge, der das sug­ge­rier­te.

So, das war lang genug. Kennt man ja gar nicht von mir. Ich ent­schul­di­ge mich bei allen, die hier an sich nichts poli­ti­sches lesen wol­len. Das Blog wird sicher nicht zum Poli­tik­blog mutie­ren. Ich muss­te das nur mal von der Leber schrei­ben. Und viel­leicht waren die selt­sa­men Vor­stel­lun­gen der Rech­ten für euch ja auch so belus­ti­gend (und lei­der eben­so besorg­nis­er­re­gend) wie für mich. Hat­tet ihr schon mal ähn­li­che Erleb­nis­se? Mein Kom­men­tar­be­reich freut sich über sel­te­nen Besuch!

,   
geschrieben von Alex
Netzbürger mit mindestens einem Ohr in der Musik, einem Auge im Film und einer Hand an der Maus. Familie, Arbeit und Bloggen herumjonglierend und Spaß dabei!