Filmkritik: Blade Runner 2049

Some­ti­mes to love someo­ne, you got to be a stran­ger.

Die Idee einer Fort­set­zung von Rid­ley Scotts Klas­si­ker »Bla­de Run­ner« war immer wie­der mal im Gespräch. Als dann mehr als 30 Jah­re nach dem Ori­gi­nal die Plä­ne kon­kret wur­den, waren die Fans ver­ständ­li­cher­wei­se skep­tisch. Zu oft schon wur­den unnö­ti­ge halb­ga­re Reboots und Fort­set­zun­gen in die Kinos gespült, als dass man sich vor­be­halts­los dar­auf freu­en könn­te. Mit jedem ermu­ti­gen­den neu­en Info­schnip­sel wuchs aber dann die Vor­freu­de und wur­de bis zuletzt zu einem wah­ren Hype. Konn­te der Film es wirk­lich schaf­fen, dem Ori­gi­nal eine wür­di­ge und vor allem gerecht­fer­tig­te Fort­set­zung an die Sei­te zu stel­len?

Die Ant­wort ist in mei­nen Augen ein unein­ge­schränk­tes Ja! Und das haben wir vor allem zwei Men­schen zu ver­dan­ken: Regis­seur Denis Ville­neuve und Kame­ra­mann Roger Dea­k­ins. Aber fan­gen wir erst mal mit der Sto­ry an. 30 Jah­re nach den Gesche­he­nis­sen des ers­ten Bla­de Run­ner leben mehr Repli­kan­ten unter den Men­schen denn je. Die neue­ren Model­le sind unein­ge­schränkt gehor­sam. K gehört zu die­ser Bau­rei­he und wird als Bla­de Run­ner ein­ge­setzt, die alten, rebel­li­schen Model­le zu jagen und in den »Ruhe­stand« zu ver­set­zen. Als bei sei­nem letz­ten Job aller­dings die Kno­chen einer Frau gefun­den wer­den, die einer­seits eine Seri­en­num­mer auf­wei­sen, ande­rer­seits aber dar­auf hin­wei­sen, dass sie ein Kind gebo­ren hat, beginnt er an sei­ner Pro­fes­si­on und sei­nen eige­nen Leben zu zwei­feln.

Schon die ers­ten weni­gen Minu­ten des Films konn­ten mich sofort wie­der in ihren Bann zie­hen und trotz der im ers­ten Schau­platz unge­wohn­ten Farb­pa­let­te mach­te sich gleich das woh­li­ge Bla­de-Run­ner-Fee­ling breit, das schon den Vor­gän­ger präg­te. Der Strei­fen schafft eine per­fek­te Sym­bio­se aus Retro-Charme und moder­ner Cine­ma­to­gra­phie. Fast jede Ein­stel­lung ist atem­be­rau­bend und wür­de sich allein­ste­hend als Wand­bild eig­nen. Das visu­el­le Fest geht auf das Kon­to von Roger Dea­k­ins, den die meis­ten ver­mut­lich aus den Fil­men der Coen-Brü­der ken­nen wer­den. Der mitt­ler­wei­le drei­zehn Mal für den Oscar nomi­nier­te, aber nie aus­ge­zeich­ne­te Kame­ra­mann lie­fert hier sei­ne unter den mir bekann­ten Fil­men weit bes­te Arbeit ab und wird hof­fent­lich bei den kom­men­den Oscar­ver­lei­hun­gen end­lich die Sta­tue in den Hän­den hal­ten dür­fen.

Nicht nur visu­ell ist der Strei­fen atem­be­rau­bend, auch die Sto­ry weiß zu über­zeu­gen. Wer aller­dings einen actionge­la­de­nen Sci-Fi-Block­bus­ter erwar­tet, ist hier schief gewi­ckelt. Der Film lebt sei­ne ruhi­ge Art in über 160 Minu­ten genüss­lich aus und schert sich einen Kericht dar­um, die­se mit ton­nen­wei­se Action zu fül­len. Bla­de Run­ner 2049 lebt mehr noch als sein Vor­gän­ger von der Haupt­fi­gur und sei­ner Ent­wick­lung im Lau­fe des Films. Wenn der Abspann über die Lein­wand flim­mert, hat der Zuschau­er aller­dings nur Hin­wei­se an die Hand bekom­men, aber kei­ne defi­ni­ti­ven Ant­wor­ten auf die wich­ti­gen Fra­gen, die den Film beweg­ten. Dafür regt er aber mas­siv zum Nach­den­ken an und schreit förm­lich dar­an, mehr­fach geschaut und auf­ge­so­gen zu wer­den.

Neben der für eini­ge immer noch zu wich­ti­ge Tat­sa­che, dass das Ori­gi­nal von 1982 eigent­lich kei­ne Fort­set­zung benö­tigt hat, geht die vor­wie­gen­de Kri­tik des Films an das ver­mit­tel­te Frau­en­bild. Die weib­li­chen Cha­rak­te­re sind eher im Hin­ter­grund, in den bei­den wich­tigs­ten Ver­tre­tern als Ver­gnü­gungs­ob­jekt bzw. psy­cho­pa­thi­scher Böse­wicht dar­ge­stellt. Ich kann die Kri­tik aber nicht tei­len. Die gar nicht so weni­gen weib­li­chen Figu­ren des Films waren weit viel­sei­ti­ger und für die eigent­li­che Hand­lung und Wei­ter­ent­wick­lung wich­ti­ger als die männ­li­chen an sich. Sie sind der Motor, der den Film am Lau­fen hält und zwar nicht als die von Män­nern zu ret­ten­de Prin­zes­sin.

Ein mir per­sön­lich wich­ti­ger Punkt, gera­de nach dem iko­ni­schen Sound­track von Van­ge­lis für das Ori­gi­nal, war natür­lich auch die Film­mu­sik. Die­se ist bei Hans Zim­mer und Ben­ja­min Wall­fisch in guten Hän­den. Der Stil des Ori­gi­nals wird ein­ge­fan­gen und geht ähn­lich wie der Rest des Films eine Mischung aus Retro-Syn­the­si­zer-Moti­ven und moder­ner elek­tro­ni­scher Film­mu­sik ein. Auch die weni­gen in den Film ein­ge­wo­be­nen Songs pas­sen gut ins Bild und die Hand­lung selbst, wie bei­spiels­wei­se der Kampf zwi­schen Deckard und K im Kasi­no zeigt.

Dass der Film an den Kino­kas­sen nicht die Erwar­tun­gen erfül­len kön­nen wird, ist nach Sich­tung des Strei­fens aller­dings kein Wun­der. Kaum ein gro­ßer als Block­bus­ter ver­mark­te­rer Film der ver­gan­ge­nen Jah­re war wei­ter von dem typi­schen Sche­ma sol­cher Fil­me ent­fernt wie die­ser. Ich habe es genos­sen, end­lich wie­der einen zeit­lo­sen, beson­ne­nen und mit Details voll­ge­stopf­ten Film zu schau­en, der vor allem Film­fans an sich anspricht und nicht die unter­hal­tungs­süch­ti­ge Mas­se.

Dass ich begeis­tert bin, lässt sich aus mei­nen Zei­len sicher unschwer erken­nen. Nach der ers­ten Sich­tung ver­mag ich zwar noch nicht final zu ent­schei­den, ob der Film sei­nen Vor­gän­ger über­trumpft, aber er ist ihm min­des­tens eben­bür­tig und in mei­nen Augen der bes­te Sci-Fi-Film seit Incep­ti­on und viel­leicht dar­über hin­aus. Ich bin mir sicher, dass man in 35 Jah­ren noch ähn­lich wohl­wol­lend von ihm spre­chen wird, wie es jetzt sei­nem Vor­gän­ger erfährt. Ich freue mich schon sehr auf eine zwei­te Sich­tung, die aber ver­mut­lich erst per Blu­ray auf dem hei­mi­schen Sofa statt­fin­den wird. Einen Platz in mei­ner Samm­lung hat der Film aber schon mal sicher!

Nun las­se ich euch noch mit dem Trai­ler allein und emp­feh­le euch, den Film noch im Kino zu erwi­schen, wenn ihr noch die Mög­lich­keit habt.

[Bild: ©2017 Alcon Enter­tain­ment, LLC. All Rights Reser­ved.]
geschrieben von Alex

Netzbürger mit mindestens einem Ohr in der Musik, einem Auge im Film und einer Hand an der Maus. Familie, Arbeit und Bloggen herumjonglierend und Spaß dabei!