Wer im Aus­land nach einer bekann­ten deut­schen Band fragt, wird irgend­wo zwi­schen Tokio Hotel und Ramm­stein sicher auch Kraft­werk genannt bekom­men. Die deut­schen Elek­tro­nik-Pio­nie­re haben viel für die Ent­ste­hung unse­rer moder­nen elek­tro­ni­schen Musik­welt getan. Die wenigs­ten aber wis­sen, dass die Band ursprüng­lich ziem­lich unelek­tro­nisch daher kam und sich dem Kraut­rock und Avant­gar­de-Klän­gen ver­schrie­ben hat­ten. Erst nach drei Alben wech­sel­ten sie kom­plett zu ihrem elek­tro­ni­schen Sound und distan­zier­ten sich seit­dem von ihren Anfän­gen. Dem­entspre­chend ist keins der ers­ten drei Alben je auf CD erschie­nen oder ander­wei­tig neu auf­ge­legt wor­den. Sehr scha­de, denn gera­de die­se Pha­se der Band ist mir die liebs­te. Die her­aus­ge­such­te AUf­nah­me ist übri­gens ein Live-Auf­tritt von 1970, der zeigt, wie extrem anders die Band sich damals noch gab.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Band vor allem für einen 11-minü­ti­gen Song bekannt ist, die­ser ton­nen­wei­se geco­vert und im Fil­men ver­wen­det wird und noch dazu eigent­lich gar nicht dem typi­schen Soul-Sche­ma ent­spricht, in das man die Band auto­ma­tisch steckt. Live haben die Cham­bers Bro­thers ihren Hit dann auch gern noch wei­ter aus­ge­baut und kom­men wie hier auf gute 15 Minu­ten, ohne auch nur eine davon lang­wei­lig zu wer­den.

Ich hat­te übri­gens ursprüng­lich vor, euch mit ein paar Cover­ver­sio­nen des Songs zu beglü­cken, muss­te dann aber fest­stel­len, dass die durch die Bank weg nur müde Abklat­sche des Ori­gi­nals sind. Trotz­dem sind die lah­men Ver­sio­nen der Ramo­nes oder von Joan Jett fast bekann­ter als das Ori­gi­nal…

So wirk­lich in den Main­stream schaff­ten die Elec­tric Pru­nes es weder wäh­rend ihrer rela­tiv kur­zen ers­ten Schaf­fens­pe­ri­ode in den 60ern noch nach dem Revi­val 1999 bis heu­te. Den­noch gel­ten sie als eine der wich­tigs­ten Bands des Psy­che­de­lic Rock und Gara­ge, was sie vor allem dem genia­len »I Had Too Much To Dream« zu ver­dan­ken hat­ten. In einem der sel­te­nen TV-Auf­trit­te aus den 60ern, den ich für euch bei You­tube aus­ge­gra­ben habe, war­tet die Band vor allem mit einem tol­len Gitar­ren­so­lo auf. Wären nicht die Kla­mot­ten und Fri­su­ren, könn­ten die Songs heu­te noch genau so gut funk­tio­nie­ren!

»Aus­ge­bud­delt« stellt die ers­te lose Bei­trags­se­rie auf dem KNARZ­werk dar. Hier stel­le ich immer mal wie­der fast ver­ges­se­ne oder schon frü­her kaum bekann­te, aber tol­le Songs vor, die auch heu­te noch geni­al zu hören sind!

Guru Guru waren eine der trei­ben­den Kräf­te des Kraut­rock, der in den 70ern sei­ne größ­te Zeit fei­er­te und seit­her lei­der kaum noch Beach­tung fin­det. Guru Guru bestehen aber bis heu­te und fei­ern die­ses Jahr mitt­ler­wei­le ihr 45stes Jubi­lä­um. Den »Elek­trolurch« spie­len sie auch heu­te noch regel­mä­ßig, die bes­ten Ver­sio­nen stam­men aber aus den 70ern wie die­se Live-Fas­sung von 1978!