I am not your Wat­s­on, ass­ho­le!

Ich muss zuge­ben, ich bin ziem­lich hin­ter­her, was aktu­el­le Seri­en angeht. Bei The Wal­king Dead hän­ge ich immer noch in Staf­fel 2 fest, Brea­king Bad ergeht es genau so und zu vie­len ande­ren tol­len Seri­en wol­len auch noch wei­te­re Staf­feln geschaut wer­den. Immer­hin bin ich bei Agents Of S.H.I.E.L.D. gera­de vor und nähe­re mich dem vor­läu­fi­gen Ende der gran­dio­sen West­world. Trotz­dem kann ich auch nicht anders, immer wei­ter neue Seri­en zu star­ten. Und Net­flix trifft mit sei­ner Dou­glas-Adams-Ver­fil­mung dabei natür­lich genau mei­nen Nerv.

I was wai­ting in the car. I swe­ar.

Chuck Bar­tow­ski (Zacha­ry Levi) ist ein alles ande­re als selbst­si­che­rer Nerd, der trotz her­aus­ra­gen­der Infor­ma­tik-Fähig­kei­ten in der Nerd Herd, dem Com­pu­ter-Sup­port der fik­ti­ven Elek­tro­markt-Ket­te Buy More arbei­tet und seit­dem ihre Eltern sie ver­las­sen hat­ten bei sei­ner Schwes­ter wohnt. Sein Leben ändert sich uner­war­tet, nach­dem er von einem ehe­ma­li­gen zum Spi­on auf­ge­stie­ge­nen Stu­di­en­kol­le­gen eine myt­se­riö­se Mail mit einem Rät­sel erhält. Als er das Rät­sel löst, inji­ziert ihm die Mail die größ­te Wis­sens­da­ten­bank von CIA und NSA in sein Gehirn. Fort­an arbei­tet er zusam­men mit den Spio­nen Sarah Wal­ker (Yvon­ne Stra­hovs­ky) und John Casey (Adam Bald­win aka Jay­ne aus Fire­fly) dar­an, die Daten­bank los­zu­wer­den und wie­der ein nor­ma­les Leben zu füh­ren, mög­lichst ohne dass sei­ne Fami­lie und Freun­de davon erfah­ren.

I was wai­ting in the car. I swe­ar.

Sam Pin­kett führt als ein­fa­cher Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter ein ziem­lich lang­wei­li­ges Leben bis sich eines Tages nur weni­ge Meter vor ihm ein schwe­rer Ver­kehrs­un­fall ereig­net. Nach­dem Kran­ken­wa­gen und Poli­zei den Ort ver­las­sen haben, fin­det er am Stra­ßen­rand ein her­ren­lo­ses Han­dy und nimmt einen Anruf ent­ge­gen, der ihn ange­sta­chelt von sei­nem Kol­le­gen Phil Bourne nach und nach tief in ein Netz aus immer ver­rück­te­ren Intri­gen und Ver­schwö­run­gen saugt.

Wie schon der etwas unge­wöhn­li­che Seri­en­ti­tel ver­mu­ten lässt, haben wir es bei die­ser bri­ti­schen Serie nicht mit einem all zu ernst­haf­ten Kri­mi zu tun. Im For­mat einer Sit­com wer­den die bei­den unfrei­wil­li­gen Prot­ago­nis­ten in eine auf den ers­ten Blick immer über­trie­be­ne­re Ver­stri­ckung von kri­mi­nel­len Machen­schaf­ten ver­schie­de­ner Grup­pie­run­gen gezo­gen, die, soviel sei ver­ra­ten, am Ende der ers­ten Staf­fel glück­li­cher­wei­se befrie­di­gend auf­ge­löst wird, nicht ohne Lust auf eine Fort­set­zung zu machen.

Ich habe mich beim Schau­en der Serie oft an das Tan­dem Simon Pegg und Nick Frost erin­nert gefühlt. Die gleich­zei­ti­gen Haupt­dar­stel­ler und Erfin­der der Rei­he James Cor­den und Mathew Bayn­ton haben sich sicher auch bei Pegg und Frost inspi­rie­ren las­sen, erschu­fen hier aber kei­ne plat­te Kopie son­dern etwas ganz eigen­stän­di­ges, des­sen Humor und Figu­ren dem Vor­bild eben­bür­tig sind.

Dank der Zusam­men­ar­beit mit Hulu konn­te der BBC 2 der Serie ein wenig mehr Action ver­pas­sen als man es sonst in bri­ti­schen Pro­duk­tio­nen (vor allem in Sit­coms) gewohnt ist. Im End­ef­fekt sind es aber vor allem die Dia­lo­ge zwi­schen den tol­len Prot­ago­nis­ten und ande­ren Cha­rak­te­ren, die im Kopf hän­gen blei­ben. Die Balan­ce aus Action und typisch bri­ti­schem Humor ist also sehr gelun­gen und inter­es­san­ter­wei­se sogar in den USA, die sich lie­ber eige­ne Fas­sun­gen erfolg­rei­cher bri­ti­scher Seri­en dre­hen als die­se im Ori­gi­nal zu zei­gen, ein vol­ler Erfolg gewe­sen.

Auf typi­sche sechs Fol­gen brach­te es die gera­de im ver­gan­ge­nen Herbst in UK/USA aus­ge­strahl­te ers­te Staf­fel und eine zwei­te wur­de bereits in Auf­trag gege­ben. Ich bin gespannt, ob die Serie den Charme unbe­scha­det in eine auto­ma­tisch unter ande­ren Vor­zei­chen ste­hen­de zwei­te Run­de trans­por­tie­ren kön­nen wird. Zu einer even­tu­el­len Aus­strah­lung in Deutsch­land konn­te ich lei­der kei­ne Infos auf­trei­ben, ich emp­feh­le gera­de bei bri­ti­schem Humor aber sowie­so eine Sich­tung im Ori­gi­nal, wenn die Sprach­kennt­nis­se aus­rei­chen. Die Dar­stel­ler ärgern uns glück­li­cher­wei­se nicht mit fie­sen schot­ti­schen Dia­lek­ten und sind gut zu ver­ste­hen. Als UK-Import ist die Serie auch bereits rela­tiv güns­tig auf DVD und Blu-ray zu haben und ich kann den Kauf nur emp­feh­len!

You rea­li­ze »impos­si­ble« is a word that only makes me try har­der.

Wenn man eins schafft, wäh­rend man sein klei­nes Töch­ter­chen in den Schlaf wiegt und bespaßt, dann ist es fern­se­hen. Da muss­te natür­lich neu­es Seri­en­fut­ter her und das haben wir uns in Form der US/UK-Co-Pro­duk­ti­on »DaVinci’s Demons« geholt. Die his­to­risch ziem­lich frei inter­pre­tier­te Serie dreht sich um die frü­hen Jah­re des gro­ßen Leo­nar­do DaVin­ci im Flo­renz der Renais­sance. Der jun­ge Erfin­der und Künst­ler ver­dingt sich als Waf­fen­her­stel­ler für die im Clinch mit dem Pabst befind­li­chen Medi­cis und ver­sucht neben­her das Geheim­nis um sei­ne Mut­ter zu lüf­ten, die kurz nach sei­ner Geburt ver­schwand.